'SECOND WIND' TRANSFORMIERT NICHT RECYCELBARE ROTORBLÄTTER IN HOCHTRANSPARENTE ARCHITEKTONISCHE MATERIALIEN.
3. SEMESTER PROJEKT
NATURE LAB 2.0
PROF. DR. ZANE BERZINA
WS 2025/26
Windenergie gilt weithin als Inbegriff des ökologischen Fortschritts, doch die materielle Realität ausgemusterter Rotorblätter offenbart eine wachsende Anhäufung von unzerstörbarem Industrieabfall. Dieses Projekt macht das ökologische Paradoxon der Energiewende physisch greifbar.
Durch die mechanische Fragmentierung der glasfaserverstärkten Kunststoffe (GFK) und deren Rekombination in einer klaren Harzmatrix wird der rohe Abfall in skalierbare, hochwertige Module für Fassaden und Innenräume übersetzt. Das Material fungiert als radikales Conversation Piece an der Schnittstelle von Materialforschung und Design.
DAS KONZEPT
Die Energiewende ist unsichtbar, ihre architektonischen Manifestationen jedoch nicht.
Unzählige Windkraftanlagen dominieren heute unsere Landschaft. Second Wind widmet sich der problematischen Seite dieser materiellen Zeugen, den ausgemusterten Rotorblättern, und gibt ihnen eine neue Perspektive. Dabei geht es weniger um Upcycling im klassischen Sinn, sondern vielmehr um eine konzeptionelle Reflexion industrieller Realitäten.
Eingebettet in klares Harz verlieren die GFK-Reste ihre Anonymität als ‚Industrieabfall‘. Ihre innere Struktur wird freigelegt – ihre technische Schönheit und gleichzeitig ihre Unzerstörbarkeit. Doch die Transparenz hat auch ihren Preis: Die Herstellung der Objekte verbraucht Ressourcen und nutzt konventionelle Chemie.
Das Material wird wertgeschätzt, ohne die damit verbundenen ökologischen Kosten zu leugnen. ‚Second Wind‘ fungiert somit als Conversation Piece – und macht die Kluft zwischen unserem Anspruch an Nachhaltigkeit und den technischen Möglichkeiten der Gegenwart greifbar.
Rotorblätter als praktische Aufklärung: Welche Paradoxien bringt die Energiewende mit sich und wie können wir mit ihnen umgehen?
MATERIALITÄT & PROZESS
Die Transformation erfordert mechanische Gewalt. Durch das gezielte Aufbrechen der ausgemusterten Rotorblätter werden die unzerstörbaren Glasfasern und der rohe Verbundstaub freigelegt. Rekombiniert und in einer klaren Harzmatrix gegossen, wird der brutale Industrieabfall in ein hochtechnologisches, transluzentes Architekturmaterial übersetzt.
DAS ERGEBNIS
Das finale Material verkörpert ein physisches Paradoxon. Indem die zersplitterten Fragmente in einer makellosen, kristallklaren Matrix eingeschlossen werden, wird die gewaltsame Zerstörung der Rotorblätter förmlich in der Zeit eingefroren. Der chaotische Industrieabfall prallt auf strenge geometrische Grenzen – eine haptische und visuelle Illusion, deren tiefe Transparenz Assoziationen an moderne Fossilien oder archaische Eisblöcke weckt.
VOM MATERIAL ZUM URBANEN MAßSTAB
Die Übersetzung der materiellen Logik in eine skalierbare zweite Haut. Ob als vorgehängte hinterlüftete Fassade oder als Innenraumtrennwand angewandt: Das System beweist, dass radikale Zirkularität höchste räumliche Ansprüche erfüllen kann. Die kompletten strukturellen Parameter, kinetischen Konzepte und technischen Details sind in der Forschungsdokumentation festgehalten.
DOKUMENTATION & PUBLIKATION
Vom rohen Industrieabfall zur architektonischen Anwendung. Die umfassende Publikation detailliert die exakte materielle Logik, die technischen Daten und die zukünftigen Lebenszyklen hinter ‚Second Wind‘.
HIER DIE VOLLSTÄNDIGE DOKUMENTATION LESEN:
DER NÄCHSTE ZYKLUS
Wahre Zirkularität hinterlässt keinen Abfall. Die Energiewende ist nicht nur eine technologische, sondern auch eine materielle Herausforderung. ‚Second Wind‘ beweist, dass wir uns unseren unzerstörbarsten industriellen Konflikten stellen müssen, um eine radikal transparente Zukunft zu bauen.
ABFALL IST LEDIGLICH EIN MATERIAL OHNE IDENTITÄT
DURCH DIE RESTRUKTURIERUNG AUSGEMUSTERTER ROTORBLÄTTER GEBEN WIR DER ENERGIEWENDE EIN ZWEITES LEBEN.